Thurplus und Energie Thun arbeiteten an Studie zur zukünftigen Planung des Gasnetzes mit
Die energiepolitischen Stossrichtungen bis 2050 sind weitgehend klar. Bis dahin soll die Schweiz nahezu klimaneutral werden. Im Energiemix der Schweiz ist Erdgas heute noch ein bedeutender Energieträger, doch längerfristig werden die politischen Bestrebungen zu einem Rückgang der Gasnachfrage im Bereich Raumwärme führen.
Viele Gasversorger analysieren daher aktuell, welche Gebiete ihres Gasverteilnetzes zukünftig noch erhalten und vor allem für Industriekunden mit Prozessgas-Nutzung optimiert werden können. Da es in der Schweiz dazu kaum Grundlagen gibt, initiierte das Bundesamt für Energie (BFE) ein Forschungsprojekt und beauftragte EBP Schweiz AG und die Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW mit der Aufgabe, «Grundlagen für die Stilllegung von Gasnetzen» zu erarbeiten, um eine Übersicht zu verschiedenen Vorgehensoptionen und Einflussfaktoren für die Kosten von Stilllegungen zu erhalten. An dem Forschungsprojekt arbeiteten die städtische Versorgerin Thurplus sowie die Energie Thun AG aktiv mit.
Die Studie identifizierte vier Optionen für die Stilllegung: gleichzeitige oder zeitlich gestaffelte Stilllegung, befristeter Parallelbetrieb und Direktumstieg. Sie analysierte zwei reale Testquartiere und stellte fest, dass die Kosten von Faktoren wie Alter und Aufbau der Gasnetze abhängen, sodass die Resultate nicht ohne weiteres auf andere Versorgungsnetze übertragbar sind.
Über 1'000 Gaskundinnen und -kunden wurden befragt
Die FHNW untersuchte zudem die Einstellungen von Hauseigentümerinnen und -eigentümern zu einer Gasnetz-Stilllegung durch eine Online-Befragung von über tausend Gaskundinnen und -kunden. Die Meinungen waren geteilt: Ein Drittel befürwortete die Stilllegung, ein Drittel war dagegen und das letzte Drittel war neutral. Die höchste Zustimmung fand der Ausbau eines Fernwärmenetzes als Grund für die Stilllegung. Auch der Ausbau der regionalen Energieproduktion sowie die Reduktion der Abhängigkeit vom Ausland wurden breit akzeptiert, während Argumente zu Wirtschaftlichkeit und Gesetzen weniger akzeptiert wurden. Die ideale Vorankündigungsfrist lag zwischen fünf und acht Jahren, wobei eine kürzere Frist von Befürwortern bevorzugt wurde. Das grösste Risiko wurde in finanziellen Verlusten aufgrund noch nicht amortisierter Anlagen gesehen.
Voraussetzung: Fundierte Zielnetzplanung
Die Studie betonte, dass eine fundierte Zielnetzplanung für eine erfolgreiche Stilllegung entscheidend ist und in Absprache mit den Gemeinden entschieden werden muss, welche Netzgebiete stillgelegt werden sollen.
«Wir haben die Studie gerne unterstützt und werden die Erkenntnisse daraus mit in unsere langfristigen Planungen und auch in die Zielnetzplanung einfliessen lassen», erklärt Stadtrat Fabrizio Hugentobler, Departementsvorsteher Thurplus, Freizeit und Sport. Frauenfeld hat eine verhältnismässig liberale Lösung für den Gasausstieg gefunden. Während in manchen Städten und Gemeinden das Gasnetz bereits bis 2037 in weiten Teilen stillgelegt wird, hat die Kantonshauptstadt festgelegt, dass die Versorgung mit Gas für Heizzwecke ab 2040 nicht mehr garantiert werden kann.
Schlussbericht «Grundlagen für die Stilllegung von Gasnetzen» [pdf, 1.7 MB]